Schwingende Sprachmelodie

Das kleine Ich bin ich
© Verlag Jungbrunnen

„Auf der bunten Blumenwiese

geht ein buntes Tier spazieren,

wandert zwischen grünen Halmen,

 wandert unter Schierlingspalmen...“

 

Ein kleines Tier rätselt das ganze Buch lang über seine Identität. Und kommt am Ende zu dem Schluss, dass es etwas ganz Eigenes ist, anders als die anderen Tiere, eben also ein „Ich-Bin-Ich“. Das tut es nun schon seit über 40 Jahren mit solch wundervollem Sprachklang, dass ich es in diesem Rahmen unmöglich unerwähnt lassen kann.

 


Mira Lobe: Das kleine Ich bin ich. © 1972 Verlag Jungbrunnen, Wien


Mira Lobe versteht es auf unnachahmliche Weise, Wörter zu einem klingenden, schwingenden Lied zusammenzufügen. Es ergibt sich beim Vorlesen ein Rhythmus, der niemals monoton ist: immer wieder wird der durchweg gereimte Text aufgebrochen, kurze Zeilen wechseln mit längeren und doch ist der Fluss der Sprachmelodie immer stimmig.

„Aber dann

macht das Tier mit seinem Kahn

beinah einen Purzelbaum.

Stößt wo an,

fährt wo drauf, 

 und die Inseln tauchen auf.“

Auf diese Weise wirken die Reime niemals platt, nie drängt sich der Gedanke auf: „Reim dich, oder ich fress dich.“ Vielmehr wird man als Vorleser geradezu melodisch durch die Geschichte des kleinen Fabel-Wesens getragen. Zusammen mit den wundervollen Illustrationen können die Kinder in kuscheliger Atmosphäre in der Geschichte schwelgen und sich von der Prosodie, von der schwungvollen Sprachmelodie mitreißen lassen.

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