Wortspiele zum Schieflachen

Der „Ginpuin“ ist eine wunderschöne Geschichte über einen, der etwas anders war als alle anderen und in die Fremde zog. Doch das Heimweh treibt ihn zurück in seine Welt aus Eis und Schnee, wo er mit offenen Armen empfangen und nun erst voll und ganz in die Gemeinschaft aufgenommen wird.

 

Die Rede ist von einem Pinguin, der rein äußerlich allen anderen Pinguinen gleicht. Doch verdreht er unabsichtlich so manches Wort. Aus den Schwimmflossen werden Flimmschwossen, aus der Eisscholle eine Scheißolle – Wort-Schöpfungen, die die anderen Pinguine vor Lachen von den Eisschollen rutschen lassen. Folgerichtig erhält der wortverdrehende Pinguin seinen Namen: aus dem Pinguin wird der Ginpuin.


Barbara van den Speulhof: Der Ginpuin. Auf der Suche nach dem großen Glück.

Illustriert von Henrike Wilson © 2012 Coppenrath Verlag, Münster


Hinter den Wortverdrehungen steht ein festes System: der Ginpuin vertauscht die Anfänge der Wort-Bestandteile. Zum Beispiel setzen sich die „Schwimmflossen“ zusammen aus „Schwimm“ und „Flossen“. Die Anfänge sind Schw- beim Wort Schw-imm und Fl- beim Wort Fl-ossen. Vertauscht man nun die Anfänge, kommt heraus: Fl-imm und Schw-ossen. Also Fl-imm-Schw-ossen. Flimmschwossen eben.

Beim Namen des Pinguins sind es die Silben-Anfänge, die vertauscht werden. P-in und G-uin werden vertauscht zu G-in und P-uin. Schon hat man den Ginpuin. Solche Vertauschungen können wir nur machen und nachvollziehen, wenn wir in der Lage sind, Wörter in ihre einzelnen lautlichen Bestandteile zu zerlegen. Das ist eine Fähigkeit, die zur Phonologischen Bewusstheit zählt. Wir lösen uns dabei von der Bedeutung der Wörter und konzentrieren uns ganz auf ihre Laut-Struktur. Wir lösen Laute heraus und bauen sie an anderer Stelle wieder ein. Manchmal kommt dabei eine ganz andere Bedeutung heraus, wie bei „Warz und Schweiß“...

Dies zu verstehen, ist alles andere als trivial und erfordert ein hohes Maß an Abstraktionsvermögen. Einigen Kindern wird es zunächst noch schwer fallen, die Wort-Verdrehungen nachzuvollziehen und das Wortspiel umzukehren. Hier muss man ihnen Zeit geben – manchmal sieht man richtig, wie es hinter den Denkerstirnen raucht! Bis alle Wort-Rätsel geknackt sind, kann man den Blick über die großformatigen, liebevoll gestalteten Illustrationen schweifen lassen und muss einfach sagen: „Tach, is das oll hier!“

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